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Forschungsprämie 2026: 14 Prozent der F&E-Aufwendungen als Steuergutschrift

Die Forschungsprämie ist Österreichs größter steuerlicher Innovationsanreiz: 14 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen fließen als Gutschrift auf das Abgabenkonto, auch bei Verlustunternehmen. Für eigenbetriebliche Forschung gibt es keine Deckelung nach oben, bei Auftragsforschung sind maximal eine Million Euro Bemessungsgrundlage pro Wirtschaftsjahr förderfähig. Zwei Novellen der Forschungsprämienverordnung ändern die Berechnung: Seit Dezember 2025 gelten steuerliche Abzugsverbote…

AutorRedaktionStand14. Oktober 2026Lesezeit9 Minuten

Die Forschungsprämie ist Österreichs größter steuerlicher Innovationsanreiz: 14 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen fließen als Gutschrift auf das Abgabenkonto, auch bei Verlustunternehmen. Für eigenbetriebliche Forschung gibt es keine Deckelung nach oben, bei Auftragsforschung sind maximal eine Million Euro Bemessungsgrundlage pro Wirtschaftsjahr förderfähig. Zwei Novellen der Forschungsprämienverordnung ändern die Berechnung: Seit Dezember 2025 gelten steuerliche Abzugsverbote auch für die Prämie, und ab 2026 gibt es ein Wahlrecht für Investitionen. Im April 2026 kam eine Regel für Forschung in laufender Produktion dazu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prämie: 14 Prozent der begünstigten Forschungsaufwendungen
  • Rechtsgrundlage: § 108c EStG und Forschungsprämienverordnung (FoPV)
  • Eigenbetriebliche Forschung: keine Deckelung der Bemessungsgrundlage
  • Auftragsforschung: maximal 1 Mio. Euro Bemessungsgrundlage pro Wirtschaftsjahr
  • Fiktiver Unternehmerlohn: 50 Euro pro Stunde, max. 86.000 Euro pro Person und Jahr
  • FFG-Jahresgutachten kostenlos (nur für eigenbetriebliche Forschung)
  • Antrag über FinanzOnline mit Formular E 108c
  • Antragsfrist: bis zu vier Jahre nach Ende des Wirtschaftsjahres
  • Novelle Dezember 2025: Abzugsverbote maßgeblich, Wahlrecht für Investitionen ab 2026; Novelle April 2026: produktionsintegrierte F&E

Wie hoch ist die Forschungsprämie 2026?

Die Prämie beträgt 14 Prozent der begünstigten Aufwendungen, ein Satz, der für Wirtschaftsjahre ab 2018 gilt. Entscheidend: Die Prämie wird nicht als Abzug von der Steuer, sondern als eigenständige Gutschrift am Abgabenkonto verbucht. Das bedeutet in der Praxis, dass auch Unternehmen mit laufendem Verlust die vollen 14 Prozent bekommen, ausgezahlt oder mit offenen Abgabenschulden verrechnet.

Das unterscheidet die Forschungsprämie fundamental von anderen Förderungen. Wer etwa über aws Technologie-Internationalisierung Mittel erhält, bekommt einen Zuschuss aus einem Jury-Verfahren; wer die Forschungsprämie nutzt, hat einen Rechtsanspruch - bei Erfüllung der Kriterien gibt es keine Ermessenskomponente.

Was fällt in die Bemessungsgrundlage?

Die begünstigten Aufwendungen gliedern sich in zwei Kategorien: eigenbetriebliche Forschung (ohne Deckelung) und Auftragsforschung (max. eine Million Euro pro Wirtschaftsjahr).

Kostenart
Förderfähig?
Besonderheiten
Personalkosten (Löhne, Gehälter, Werkverträge)
Ja
Anteilig, soweit F&E-Tätigkeit
Unmittelbare Ausgaben (Material, Prototypen, Softwarelizenzen)
Ja
Verbrauchsmaterial und F&E-spezifische Ausgaben
Investitionen ins Anlagevermögen
Ja (Wahlrecht seit 2026)
Voller Anschaffungspreis ODER jährliche AfA
Finanzierungsaufwendungen
Ja
Soweit direkt F&E-zuordenbar
Gemeinkosten (Verwaltung, Miete, IT)
Anteilig
Nach zuordenbarer Quote, keine Vertriebskosten
Fiktiver Unternehmerlohn (Einzelunternehmer, Mitunternehmer, unentgeltlich tätige Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft)
Ja
50 Euro/Stunde, max. 86.000 Euro pro Person und Jahr
Vertriebskosten, Marketing
Nein
Explizit ausgeschlossen

Der fiktive Unternehmerlohn für Einzelunternehmer, Mitunternehmer und unentgeltlich tätige Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft ist ein oft übersehener Hebel: Wer als Gründer in der F&E mitarbeitet, kann 50 Euro pro nachgewiesener Stunde ansetzen, insgesamt bis 86.000 Euro pro Person und Wirtschaftsjahr. Das ergibt im Maximum einen zusätzlichen Prämienanspruch von 12.040 Euro pro Kopf, ohne tatsächliche Gehaltszahlung.

Die Novellen vom Dezember 2025 und April 2026

Mit BGBl. II Nr. 302/2025 vom 18. Dezember 2025 wurde die Forschungsprämienverordnung (FoPV) in zwei zentralen Punkten geändert. Eine zweite Novelle, BGBl. II Nr. 82/2026 vom 1. April 2026, ergänzte eine Regel zur produktionsintegrierten Forschung.

Achtung - was neu ist:
1. Abzugsverbote wirken auf die Bemessungsgrundlage. Forschungsaufwendungen zählen nur mit dem Betrag, der steuerlich tatsächlich als Betriebsausgabe wirksam wird; auch steuerliche Wahlrechte schlagen auf die Prämie durch. Damit reagiert die Verordnung auf ein Erkenntnis des VwGH vom 30.9.2025 (Ro 2024/13/0017), nach dem auch Aufwendungen unter einem Abzugsverbot, etwa Gehaltsanteile über 500.000 Euro, prämienbegünstigt sein konnten. Die Neuregelung gilt für alle offenen Fälle. Ausgenommen sind Anträge auf erstmalige Gutschrift oder Änderung einer Prämie, die zwischen 5. November und 17. Dezember 2025 gestellt wurden.

2. Wahlrecht bei aktivierungspflichtigen Investitionen (ab Prämien für 2026). Investitionen in Anlagegüter für die F&E können entweder mit den Gesamtaufwendungen im ersten Jahr oder mit der jährlichen Abschreibung (AfA) angesetzt werden. Die Gesamtaufwendungen sind aber nur zulässig, wenn das Wirtschaftsgut im Nachhaltigkeitszeitraum durchgehend der F&E dienen soll. Dieser Zeitraum umfasst die Hälfte der (Rest)Nutzungsdauer, höchstens das Jahr der erstmaligen Nutzung und die folgenden neun Wirtschaftsjahre. Weicht die F&E-Nutzung um mehr als 25 Prozent ab oder endet sie vorzeitig, wird die Prämie über einen Zuschlag oder Abschlag berichtigt.

3. Produktionsintegrierte F&E (ab Wirtschaftsjahren, die nach dem 31.12.2025 beginnen). Wird auf einer Anlage geforscht, die auch kommerziell produziert, zählt der gesamte Produktionsaufwand nur dann, wenn der Erkenntnisgewinn das vorrangige Ziel ist. Steht die Herstellung verkaufsfähiger Produkte im Vordergrund, zählen nur die durch den experimentellen Charakter zusätzlich anfallenden Aufwendungen. Eine im Dezember 2025 eingefügte Regel zur marktnahen F&E wurde mit derselben Novelle wieder gestrichen, bevor sie wirksam wurde.

Wer größere Einzelinvestitionen für F&E plant (Laborgeräte, Prüfstände, Forschungs-IT), sollte beide Varianten durchrechnen. Der Ansatz der Gesamtaufwendungen bringt die Prämie früher, setzt aber eine verlässliche Nutzungsplanung voraus; ändert sich die Nutzung, folgt eine Berichtigung.

Eigenbetriebliche Forschung vs. Auftragsforschung

Wer selbst forscht, hat das größere Volumen: eigenbetriebliche F&E ist in der Bemessungsgrundlage unbegrenzt, allerdings zwingend mit einem kostenlosen Jahresgutachten der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) verbunden. Das Gutachten bestätigt, dass die angegebenen Tätigkeiten den Definitionen des § 108c EStG und dem Frascati-Manual der OECD entsprechen.

Bei Auftragsforschung, also wenn ein Unternehmen F&E-Leistungen bei einer Uni oder einem Forschungsinstitut einkauft, entfällt das FFG-Gutachten, dafür gilt eine Deckelung von einer Million Euro Bemessungsgrundlage pro Wirtschaftsjahr. Die beauftragte Einrichtung muss mit Forschungsaufgaben befasst sein, ihren Sitz in der EU oder im EWR haben und darf weder unter beherrschendem Einfluss des Auftraggebers stehen noch derselben Unternehmensgruppe angehören. Außerdem muss der Auftraggeber dem Auftragnehmer bis zum Ende seines Wirtschaftsjahres nachweislich mitteilen, bis zu welchem Betrag er die Prämie für die Auftragsforschung in Anspruch nimmt (§ 108c Abs. 2 Z 2 EStG). Details zu steuerlich relevanten Betriebsausgaben bei der Gewinnermittlung sollten bei der Dokumentation mitgedacht werden.

Das FFG-Jahresgutachten: Ablauf und Praxis

Das Gutachten ist kostenlos, aber mit Dokumentationsaufwand verbunden. Unternehmen mit eigenbetrieblicher Forschung reichen nach Ende des Wirtschaftsjahres über FinanzOnline einen Antrag ein, der an die FFG weitergeleitet wird. Die FFG fordert eine strukturierte Beschreibung der Forschungsprojekte - Zielsetzung, technologische Unsicherheiten, systematisches Vorgehen, Neuheitsgrad.

Praxis-Tipp - Projektdokumentation:
Die FFG prüft nach den Frascati-Kriterien: Neuheit, Kreativität, Unsicherheit, systematischer Charakter, Übertragbarkeit/Reproduzierbarkeit. Wer während des Jahres Laborbücher, Designentscheidungen, Testprotokolle und Iterationen dokumentiert, hat beim Gutachten-Antrag kaum Arbeit. Wer erst im Nachhinein rekonstruiert, verliert Details - und oft Bemessungsgrundlage. Einige Unternehmen führen dedizierte F&E-Zeiterfassung, um die Stunden sauber den Personalkosten zuordnen zu können. Die gängigen Buchhaltungstools bieten dafür Projekt-/Kostenstellen-Zuordnung.

Antragsprozess Schritt für Schritt

  1. Wirtschaftsjahr beenden - die Prämie wird immer rückwirkend auf das abgelaufene Jahr beantragt
  2. F&E-Aufwendungen zusammenstellen nach Kostenarten: Personal, unmittelbare Aufwendungen, Investitionen, Gemeinkosten, fiktiver Unternehmerlohn
  3. FinanzOnline öffnen und Formular E 108c ausfüllen
  4. FFG-Jahresgutachten anfordern (bei eigenbetrieblicher F&E), separat oder im gleichen Vorgang
  5. Antrag übermitteln - spätestens vier Jahre nach Ende des Wirtschaftsjahres
  6. Finanzamt prüft den Antrag in Zusammenarbeit mit der FFG
  7. Gutschrift auf dem Abgabenkonto - entweder ausbezahlt oder gegen offene Verbindlichkeiten verrechnet

Für das Gutachten nennt die FFG eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von rund 40 Tagen. Die Gutschrift folgt, wenn das Finanzamt den Antrag geprüft hat.

Kombinierbarkeit mit anderen Förderungen

Die Forschungsprämie ist steuerrechtlicher Natur und grundsätzlich zusätzlich zu fast allen direkten Förderungen verwendbar. Zu beachten:

  • Bei direkten Förderungen (etwa FFG Basisprogramm) mindert die erhaltene Förderung die Bemessungsgrundlage für die Forschungsprämie - der geförderte Anteil wird herausgerechnet
  • Mit EU-Förderungen wie dem EIC Accelerator kombinierbar, ebenfalls unter Abzug der direkten Förderung
  • Mit dem Investitionsfreibetrag kombinierbar; § 11 EStG schließt Wirtschaftsgüter in Forschungsprojekten nicht aus. Für die Körperschaftsteuer ist die Prämie keine Betriebseinnahme.

Kontinuität statt Einmal-Antrag: die Mehrjahresperspektive

Die Forschungsprämie wirkt am stärksten, wenn sie über mehrere Jahre als fester Bestandteil der F&E-Strategie geplant wird. Wer seine Dokumentations- und Zeiterfassungs-Routine einmal aufgesetzt hat, zieht die jährliche Beantragung ohne großen Mehraufwand durch. Sinnvoll ist ein interner F&E-Projektleiter, der die Grenze zwischen Routineentwicklung und echter F&E zieht und die Stundenerfassung anleitet. Laut FFG forderten 2024 insgesamt 2.506 Unternehmen ein Gutachten zur Forschungsprämie an.

Vergleich mit deutschen und Schweizer Modellen

Österreichs Forschungsprämie unterscheidet sich deutlich von den Nachbarländern. Deutschland hat 2020 eine Forschungszulage nach dem Forschungszulagengesetz eingeführt: 25 Prozent der förderfähigen Aufwendungen, für kleine und mittlere Unternehmen auf Antrag 35 Prozent. Die Bemessungsgrundlage ist gedeckelt, für Aufwendungen ab 2026 auf 12 Mio. Euro pro Wirtschaftsjahr. Die Schweiz kennt keine vergleichbare landesweite Steuergutschrift, sondern einen zusätzlichen Abzug für F&E-Aufwendungen bei den kantonalen Steuern. Der österreichische Ansatz mit 14 Prozent ohne Deckelung für eigenbetriebliche Forschung ist niedriger im Satz, aber nach oben offen.

Rechenbeispiel: Ein Wiener Maschinenbau-KMU

Ein Einzelunternehmen mit 18 Mitarbeitern entwickelt im Wirtschaftsjahr 2026 eine neue Robotersteuerung. Die anrechenbaren Aufwendungen:

  • Personalkosten von drei Entwicklern, anteilig 60 Prozent ihrer Arbeitszeit: 145.000 Euro
  • Material für Prototypen und Testhardware: 38.000 Euro
  • Softwarelizenzen (Simulation, CAD, CI/CD): 22.000 Euro
  • Auftragsforschung an TU Graz für Sensor-Validierung: 65.000 Euro
  • Anteilige Gemeinkosten (Miete, IT, Strom): 28.000 Euro
  • Der Inhaber arbeitet selbst 800 Stunden in F&E: fiktiver Unternehmerlohn 40.000 Euro (800 x 50 Euro)
  • Bemessungsgrundlage gesamt: 338.000 Euro

Die Prämie: 338.000 x 14 Prozent = 47.320 Euro Gutschrift am Abgabenkonto. Die Summe wird unabhängig vom Jahresergebnis ausgezahlt. Wer steuerlich Verlust schreibt, bekommt das Geld in bar erstattet; wer Gewinn macht, kann es mit der offenen Einkommen- oder Körperschaftsteuer verrechnen.

Häufige Fragen

Können auch EPU die Forschungsprämie beantragen?

Ja, unabhängig von der Rechtsform. Entscheidend ist, dass tatsächlich Forschung und experimentelle Entwicklung im Sinne des § 108c EStG vorliegt und die Aufwendungen steuerlich als Betriebsausgaben verbucht werden. Für EPU ist vor allem der fiktive Unternehmerlohn relevant - mit 50 Euro pro Stunde und 86.000 Euro Jahres-Obergrenze ein substanzieller Hebel.

Was zählt überhaupt als Forschung und Entwicklung?

Der § 108c EStG und das Frascati-Manual der OECD geben fünf Kriterien vor: Neuheit, Kreativität, Unsicherheit, systematischer Charakter, Übertragbarkeit. Reine Standard-Softwareimplementierungen oder Routine-Anpassungen bestehender Produkte erfüllen die Kriterien nicht. Neue Algorithmen, neue Materialien, neue Produktionsverfahren dagegen schon. Im Zweifel klärt das FFG-Gutachten die Grenze.

Wie lange dauert es, bis die Prämie ausgezahlt wird?

Für das FFG-Gutachten nennt die FFG eine durchschnittliche Bearbeitungsdauer von rund 40 Tagen. Danach prüft das Finanzamt den Antrag und bucht die Prämie auf das Abgabenkonto.

Kann ich die Prämie rückwirkend für frühere Jahre beantragen?

Ja, bis zu vier Jahre nach Ende des Wirtschaftsjahres. Wer also im Jahr 2026 feststellt, dass in den Jahren 2022 bis 2025 förderfähige F&E-Aufwendungen nicht beantragt wurden, kann diese Jahre nachholen, soweit die Frist noch läuft und die Dokumentation belastbar ist.

Was passiert, wenn die FFG im Gutachten Teile streicht?

Das Gutachten unterliegt der freien Beweiswürdigung des Finanzamts, das allein über die Prämie entscheidet. Gegen den Bescheid des Finanzamts kann Beschwerde erhoben und zusätzliche Dokumentation vorgelegt werden.

Quellen