Ratgeber

Buchhaltungssoftware Österreich 2026: Vergleich der besten Lösungen

Buchhaltungssoftware für Österreich: Gratis-Versionen, Preise, UVA an FinanzOnline, Registrierkasse und Steuerberater-Export im Vergleich. Stand November 2026.

AutorRedaktionStand2. November 2026Lesezeit15 Minuten

Buchhaltungssoftware für ein österreichisches EPU kostet zwischen 0 und rund 700 Euro netto im ersten Jahr. Über die Wahl entscheidet aber selten der Preis, sondern drei Fragen: Kassieren Sie bar? Müssen Sie eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben? Und in welchem Format will Ihr Steuerberater die Daten? Wer eine davon übersieht, landet schnell bei einem deutschen Programm, das weder RKSV noch FinanzOnline kennt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Dauerhaft gratis: Finanz.at (2 Rechnungen pro Monat) und die Grundversion von kalkül. Bei sevdesk ist nur das Schreiben von Rechnungen gratis.
  • UVA direkt an FinanzOnline: FreeFinance, ProSaldo.net (ab Paket PLUS), RZL und RZA. bookamat und kalkül liefern eine XML-Datei zum Hochladen.
  • Registrierkasse: bei FreeFinance (in Premium, in Plus als Zusatz), everbill und RZA als Modul. ProSaldo.net hat keine mehr.
  • Lexware Office ist laut Hersteller ausschließlich für Deutschland geeignet.
  • Eine UVA müssen Sie erst ab 55.000 Euro Vorjahresumsatz abgeben.
  • Bücher und Belege sind 7 Jahre aufzubewahren, auch nach einem Anbieterwechsel.
  • Alle Preise netto, Stand: November 2026

Die Anbieter im Direktvergleich

Die erste Tabelle zeigt, was der Einstieg kostet. Die zweite zeigt die Funktionen, auf die es in Österreich ankommt. Preise ohne Umsatzsteuer, bei Abos jeweils der Monatspreis.

Anbieter
Gratis oder Test
E/A-Rechnung ab (netto)
Doppelte Buchhaltung
Finanz.at
Gratis-Version ohne Ablauf, Pro 14 Tage testen
0 €, Pro 9,90 €/Monat oder 99 €/Jahr
nicht angeführt
kalkül
Grundversion dauerhaft gratis
0 €, Bankanbindung nur im Unterstützer-Abo
laut Anbieter seit Oktober 2026
bookamat
30 Tage Test
150 €/Jahr
nicht angeführt
FreeFinance
30 Tage Test
12 €/Monat (Vorauszahlung)
ab 22 €/Monat
ProSaldo.net
30 Tage Test, Gründer 1 Jahr gratis
19 €/Monat, mit UVA 31 €
50 €/Monat (PRO)
everbill
14 Tage Test
keine Gewinnermittlung, Rechnungen ab 7,90 €/Monat
nein
sevdesk
Gratis nur für 3 Rechnungen/Monat, 14 Tage Test
Buchhaltung 19,90 bis 25,90 €/Monat
ab Tarif Buchhaltung
RZA
Test angeboten
227 €/Jahr plus 149 € Aktivierung
402 €/Jahr
RZL
nicht angeführt
Cloud ab 69,80 €/Monat, Lizenz ab 651 €
ja, Preis nicht veröffentlicht
BMD
über den Steuerberater
Preis auf Anfrage
ja
Anbieter
UVA an FinanzOnline
Registrierkasse (RKSV)
Export für Steuerberater
E-Rechnung an den Bund
Finanz.at
UVA-Vorbereitung, Übermittlung nicht angeführt
nicht angeführt
PDF, Excel, CSV
nicht angeführt
kalkül
XML-Datei zum Hochladen
geplant für Ende 2026
Excel, CSV
nicht angeführt
bookamat
XML-Datei zum Hochladen
nein
BMD
nicht angeführt
FreeFinance
direkt
in Premium, in Plus als Zusatz
BMD, RZL, DATEV
ebInterface
ProSaldo.net
direkt ab PLUS
nein
BMD, DATEV, dvo
ebInterface
everbill
nein
Modul 9,90 €/Monat
BMD, RZL
ja
sevdesk
nur Export
nur Kassabuch
DATEV, ADDISON
nur ZUGFeRD, XRechnung
RZA
elektronisch
Modul
BMD, RZL (Modul)
Modul
RZL
direkt
über Partner
RZL
nicht angeführt

"Nicht angeführt" heißt: Der Anbieter nennt die Funktion auf seinen Produkt- und Preisseiten nicht. Wer sie braucht, fragt vor dem Abschluss nach.

Was eine Buchhaltungssoftware in Österreich können muss

Der Kern ist überall gleich: Rechnungen schreiben, Belege erfassen, Einnahmen und Ausgaben zuordnen. Die Unterschiede liegen bei den österreichischen Pflichten.

Unveränderbare Aufzeichnungen. Nach § 131 BAO dürfen elektronische Eintragungen nicht so geändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt verschwindet. Spätere Korrekturen müssen nachvollziehbar bleiben. Eine Excel-Liste, in der jeder jede Zelle überschreibt, erfüllt das nur mit viel Disziplin. Eine Buchhaltungssoftware protokolliert es von selbst.

Sieben Jahre Aufbewahrung. Bücher, Aufzeichnungen und Belege müssen Sie nach § 132 BAO sieben Jahre aufbewahren, gerechnet ab Ende des jeweiligen Kalenderjahres. Elektronisch ist das erlaubt, solange sich die Daten bis zum Fristende vollständig und inhaltsgleich wiedergeben lassen. Bei einer Cloud-Software heißt das: Klären Sie vorher, wie Sie nach einer Kündigung an Ihre Belege kommen.

UVA und FinanzOnline. Eine Umsatzsteuervoranmeldung geben Sie vierteljährlich ab, wenn Ihr Vorjahresumsatz über 55.000 Euro lag, und monatlich ab 100.000 Euro. Fällig ist sie am 15. des zweitfolgenden Monats. Das BMF stellt für Software einen eigenen Webservice bereit. Programme, die ihn nutzen, schicken die UVA auf Knopfdruck ab. Die anderen erzeugen eine Datei, die Sie selbst in FinanzOnline hochladen. Beides ist zulässig, der Unterschied sind ein paar Minuten pro Quartal.

Registrierkasse. Die Registrierkassenpflicht greift, sobald ein Betrieb 15.000 Euro Jahresumsatz überschreitet und davon mehr als 7.500 Euro Barumsätze sind. Bankomat- und Kreditkartenzahlungen zählen als bar. Die Pflicht beginnt mit dem vierten Monat nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem beide Grenzen überschritten wurden.

Daten für den Steuerberater. Viele österreichische Kanzleien arbeiten mit BMD oder RZL. Ein Export in diesen Formaten spart der Kanzlei das Abtippen, und das sehen Sie auf der Honorarnote. Deutsche Programme liefern meist nur DATEV.

E-Rechnung. Wer an den Bund liefert, muss seit 1. Jänner 2014 eine strukturierte E-Rechnung schicken, im Format ebInterface oder UBL über das Unternehmensserviceportal oder Peppol. Zwischen Unternehmen gibt es in Österreich 2026 keine solche Pflicht. Ab 1. Juli 2030 verlangt die EU-Richtlinie ViDA strukturierte E-Rechnungen für grenzüberschreitende Umsätze zwischen Unternehmen. Den Stand im Detail finden Sie im Beitrag zur E-Rechnungspflicht.

Achtung: Diese vier Punkte vor dem Abschluss klären
1) Brauchen Sie eine RKSV-Registrierkasse, und ist sie im Paket oder kostet sie extra? 2) Übermittelt die Software die UVA an FinanzOnline, oder nur als Datei? 3) Liefert sie einen Export im BMD- oder RZL-Format, falls Sie mit einem Steuerberater arbeiten? 4) Wie bekommen Sie nach einer Kündigung alle Belege für die restliche Aufbewahrungsfrist heraus?

Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanz?

Die meisten Programme gibt es in zwei Ausbaustufen, und die teurere brauchen Sie seltener als gedacht.

Einzelunternehmen und Personengesellschaften dürfen ihren Gewinn mit der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln. Zur doppelten Buchhaltung werden sie nach § 189 UGB erst verpflichtet, wenn der Umsatz in zwei aufeinanderfolgenden Jahren 700.000 Euro übersteigt, und auch dann erst nach einem Pufferjahr. Liegt der Umsatz um mindestens 300.000 Euro darüber, gilt die Pflicht schon ab dem Folgejahr. Freie Berufe sind ausgenommen, egal wie viel sie umsetzen.

Anders bei der GmbH: Kapitalgesellschaften und die GmbH & Co KG müssen unabhängig vom Umsatz doppelt buchen und bilanzieren. Für sie kommen nur Pakete mit doppelter Buchhaltung in Frage, oder die Buchhaltung läuft gleich über die Kanzlei.

Noch weniger brauchen Sie bei einer Pauschalierung. Mit der Basispauschalierung (Umsatzgrenze 420.000 Euro, Pauschale 15 Prozent, für Beratung und ähnliche Tätigkeiten 6 Prozent) oder der Kleinunternehmerpauschalierung (45 Prozent, bei Dienstleistungsbetrieben 20 Prozent) erfassen Sie vor allem die Einnahmen, die Betriebsausgaben werden pauschal angesetzt. Ein Gratis-Programm zum Schreiben und Erfassen der Rechnungen reicht dann oft.

Kostenlose Buchhaltungssoftware: was gratis wirklich heißt

Dauerhaft kostenlos und mit Buchhaltung sind 2026 zwei Lösungen mit österreichischer Steuerlogik. Dazu kommen Gratis-Tarife reiner Rechnungsprogramme. Alle haben Grenzen, die man kennen sollte.

  • Finanz.at: 2 Rechnungen, 2 Angebote und 10 neue Kunden pro Monat, dazu Einnahmen, Ausgaben, Belege, Kassenbuch und Export. Kein Ablaufdatum.
  • kalkül: Grundversion mit automatischer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und Kleinunternehmerregelung. Bankanbindung, Anlagenverzeichnis und wiederkehrende Rechnungen gibt es nur im kostenpflichtigen Unterstützer-Abo.
  • sevdesk: Der Gratis-Tarif deckt 3 Rechnungen pro Monat ab, auch als E-Rechnung. Eine Buchhaltung ist nicht dabei.
  • SumUp Rechnungen: Laut Anbieter ohne Monatsgebühr und ohne Limit bei Rechnungen und Angeboten. Es bleibt aber ein Rechnungsprogramm: Die Daten werden für die Buchhaltung exportiert, eine Gewinnermittlung gibt es nicht.

Gratis heißt in allen Fällen: keine Registrierkasse und keine UVA-Übermittlung per Knopfdruck. Für eine Kleinunternehmerin ohne Barumsätze, die keine UVA abgeben muss, ist das kein Nachteil. Wer beides braucht, zahlt.

Eine dritte Option ist befristet: ProSaldo.net gibt Gründern das Paket PRO ein Jahr lang kostenlos. Der Gutscheincode kommt über den Steuerberater oder Buchhalter.

Finanz.at: Gratis-Einstieg für Kleinunternehmer

Wer nur wenige Rechnungen im Monat schreibt, kommt mit der Buchhaltung von Finanz.at ohne laufende Kosten aus. Die Gratis-Version ist zeitlich nicht begrenzt. Für Kleinunternehmer zeigt das Programm laufend, wie viel von der Umsatzgrenze von 55.000 Euro schon ausgeschöpft ist, samt Hinweis auf die Toleranz von 10 Prozent. Rechnungen ohne Umsatzsteuer nach der Kleinunternehmerregelung sind vorgesehen.

Die Pro-Version kostet 9,90 Euro netto pro Monat oder 99 Euro im Jahr. Sie hebt die Limits auf und bringt wiederkehrende Rechnungen, Teilrechnungen, E-Mail-Versand und einen Steuer-Rechner für UVA und Einkommensteuer. Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, Gewinn-Verlust-Rechnung und UVA-Vorbereitung gibt es als PDF oder Excel, alle Daten auch als CSV. Neue Konten testen Pro 14 Tage, danach läuft das Konto gratis weiter.

Registrierkasse sowie FinanzOnline- und BMD-Export führt der Anbieter nicht an: Wer bar kassiert oder mit einer BMD-Kanzlei arbeitet, braucht dafür eine Ergänzung.

kalkül: kostenlos und schlank

kalkül kommt von der we-dev e.U. aus Linz und läuft im Browser, auch am Handy. Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung entsteht automatisch aus den erfassten Rechnungen und Belegen. Für die UVA berechnet kalkül die Kennzahlen und erzeugt eine XML-Datei, die Sie in FinanzOnline hochladen. Seit Oktober 2026 nennt der Anbieter in seinen Updates auch die Gewinnermittlungsart Bilanzierung.

Die Grenzen: Der Export für den Steuerberater läuft über Excel oder CSV, nicht im BMD-Format. Eine Registrierkasse ist laut Anbieter für Ende 2026 geplant. Bis sie da ist, passt kalkül nur ohne Barumsätze über der Kassengrenze.

bookamat: Jahrespreis statt Abo

bookamat aus Wien rechnet nicht monatlich ab, sondern pro Kalenderjahr: 150 Euro netto, mit 30 Tagen Testzeit. Das Programm ist auf die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zugeschnitten und läuft im Browser unter Windows, Mac OS und Linux.

Für FinanzOnline erzeugt bookamat Dateien für UVA, Umsatzsteuererklärung, Zusammenfassende Meldung und OSS, die Sie selbst hochladen. Für den Steuerberater gibt es einen BMD-Export mit Journal, Anlagenverzeichnis, Saldenliste und Belegen. Kontoauszüge kommen per CSV-Import, eine automatische Bankanbindung nennt der Anbieter nicht. Eine Registrierkasse gibt es nicht.

Für ein EPU mit UVA-Pflicht, ohne Bargeld und mit Steuerberater ist das eines der günstigsten vollständigen Pakete.

FreeFinance: am breitesten aufgestellt

Von den Cloud-Lösungen für EPU deckt FreeFinance (Anbieter manubu gmbh mit Sitz in Schwechat) als einzige alle vier österreichischen Pflichtpunkte ab: UVA direkt an FinanzOnline, Registrierkasse, Export für BMD und RZL sowie E-Rechnung im Format ebInterface für den Bund.

Die Pakete für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung kosten netto 12 Euro (Business), 25 Euro (Plus) und 35 Euro (Premium) pro Monat. Bezahlt wird im Voraus für 12 oder 36 Monate, mit der längeren Laufzeit wird es günstiger. Für die doppelte Buchführung gibt es eigene Pakete ab 22 Euro, die Bilanz ist ein Zusatzmodul. Testen können Sie 30 Tage, ohne Kreditkarte.

Zwei Details entscheiden über das Paket. Die automatische Bankanbindung beginnt erst bei Plus. Die RKSV-Registrierkassa ist in Premium enthalten und in Plus als Zusatz buchbar, für die Signatur von A-Trust kommen einmalig 119 Euro für fünf Jahre dazu. Belege erfasst die App PaperCut mit Texterkennung. Eine eigene Lohnverrechnung hat FreeFinance nicht, nur eine Anbindung an einen externen Dienst.

ProSaldo.net: von der EPU bis zur bilanzierenden GmbH

ProSaldo.net ist der dienstälteste österreichische Cloud-Anbieter im Feld: 2000 als Softwarelinie der Wiener Haude-Gruppe (haude electronica) gestartet, seit 2018 eine eigenständige GmbH, seit Oktober 2021 Teil der norwegischen Visma-Gruppe. Entwicklung und Support sitzen weiterhin in Wien. Die Pakete decken die gesamte Bandbreite ab, von der EPU mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bis zur bilanzierenden GmbH.

Die Preise (exkl. USt, bei jährlicher Zahlung): BASIC 9 Euro nur für Rechnungen, GO 19 Euro mit Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, PLUS 31 Euro mit UVA, PRO 50 Euro mit doppelter Buchhaltung. Wer monatlich zahlt, liegt jeweils etwas darüber, beim PRO-Paket bei 55 Euro. Die Laufzeit ist unbefristet, gekündigt wird mit einem Monat Frist vor Ende des bezahlten Zeitraums.

Ab PLUS geht die UVA per Webservice direkt an FinanzOnline. Kontoumsätze holt ProSaldo.net ab dem Paket GO automatisch über eine Bankschnittstelle, Belege lassen sich mit dem Smartphone scannen und auslesen. E-Rechnungen an den Bund gehen als ebInterface per Webservice. Für den Steuerberater gibt es Exporte für BMD, DATEV und dvo.

Die Grenzen: Eine Registrierkasse bietet ProSaldo.net nicht mehr an. Wer Barumsätze über der Kassengrenze macht, braucht ein eigenes Kassensystem daneben. Eine Lohnverrechnung ist nicht enthalten. Und die Auswertungen enden bei Erfolgsrechnung und GuV: Bilanz und Jahresabschluss erstellt der Steuerberater.

everbill: Rechnungen und Kasse, Buchhaltung beim Steuerberater

everbill (everbill GmbH, Wien) sieht auf den ersten Blick wie eine Komplettlösung aus, ist es aber nicht. Laut eigener Übersicht erstellt everbill keine UVA und übermittelt nichts an FinanzOnline, eine Lohnverrechnung gibt es ebenfalls nicht. Die Stärke liegt davor: Rechnungen mit Vorlagen, Belege per Scan-App, Export im BMD- und RZL-Format für die Kanzlei, Rechnungen an den Bund und XRechnung.

Das Paket Rechnung kostet netto 9,90 Euro bei monatlicher, 8,90 Euro bei jährlicher und 7,90 Euro bei zweijährlicher Abrechnung. Das Paket Buchhaltung kostet 25,90, 22,90 oder 19,90 Euro. Die RKSV-konforme Registrierkasse ist ein Zusatz um 9,90 Euro pro Monat, das Zertifikat kostet 59,88 Euro im Jahr. Getestet wird 14 Tage.

everbill passt, wenn ein Betrieb mit Bargeld Rechnungen und Kasse in einem Programm haben will und die Gewinnermittlung ohnehin der Steuerberater macht.

Deutsche Anbieter: sevdesk, FastBill und Lexware Office

Deutsche Programme werben auch in Österreich, scheitern aber an den gleichen Stellen: UVA, Kasse und Steuerberater-Export.

sevdesk hat eine eigene österreichische Seite und kennt die Kleinunternehmerregelung. Die Tarife kosten netto 11,90 Euro (Rechnung), 25,90 Euro (Buchhaltung) und 34,90 Euro (Buchhaltung Pro) pro Monat, bei 12 oder 24 Monaten Laufzeit weniger. Im November 2026 laufen dazu Rabattaktionen. Die UVA bereitet sevdesk vor, Sie exportieren sie und laden sie selbst in FinanzOnline hoch. Als Kasse gibt es ein Kassabuch, keine Registrierkasse mit Signatur. Für den Steuerberater nennt sevdesk DATEV und ADDISON, einen BMD- oder RZL-Export nicht. Ein Vorteil: E-Rechnungen im deutschen Format ZUGFeRD und XRechnung sind schon im Gratis-Tarif dabei, praktisch bei Kunden in Deutschland.

FastBill kostet ab 10 Euro netto pro Monat (9 Euro bei Jahreszahlung). Laut Support ist das Programm in erster Linie für das deutsche Buchhaltungssystem gebaut, die UVA-Schnittstelle funktioniert für Österreich nicht, eine Registrierkasse fehlt, und die Bankanbindung umfasst nur teilweise österreichische Banken. Für reine Rechnungsstellung möglich, als Buchhaltung für Österreich ungeeignet.

Lexware Office (früher lexoffice) scheidet aus. Laut Hilfecenter des Herstellers ist die Anwendung ausschließlich für die Nutzung in Deutschland geeignet. Österreichische Steuersätze und Onlinebanking außerhalb Deutschlands funktionieren nicht.

Kanzlei-Software: BMD, RZL und RZA

BMD und RZL sind in österreichischen Steuerberatungskanzleien weit verbreitet. Für ein EPU ist eine eigene Lizenz selten sinnvoll. Interessant werden sie, wenn die Kanzlei den Zugang bereitstellt.

BMD (BMD Systemhaus, Steyr) bietet mit my BMD Com eine Lösung, die Kanzleien ihren Mandanten für einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen und kleine Bilanzen zur Verfügung stellen. Einen Preis für Unternehmer veröffentlicht BMD nicht. Die App BMD Go dient zum Erfassen von Belegen und Zeiten und hängt an der Kanzlei-Software.

RZL (RZL Software, Tumeltsham) hat eine eigene Schiene für Unternehmen. Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung gibt es als Cloud-Version ab 69,80 Euro netto im Monat oder als Lizenz zum Installieren ab 651 Euro einmalig. Die Version LIGHT ist für Ein-Personen-Unternehmen gedacht und auf 3.000 Journalzeilen im Jahr begrenzt. Die UVA geht direkt an die Finanz. Eine Lohnverrechnung gibt es als eigenes Produkt.

RZA (RZA GmbH, Gmünd) verkauft modular mit Jahrespreisen. Laut Preisliste (gültig ab 1. November 2025, netto) kostet die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung 227 Euro im Jahr, die Version mit doppelter Buchhaltung 402 Euro, dazu einmalig 149 Euro Aktivierung. Kassa (227 Euro im Jahr), RKSV-Stick (92 Euro für fünf Jahre), Schnittstelle zu BMD und RZL (97 Euro) und Lohnverrechnung (ab 194 Euro für bis zu drei Dienstnehmer) kommen als Module dazu. RZA läuft auf Windows.

Was die Buchhaltung im Jahr kostet: drei Beispiele

Drei typische Fälle, gerechnet mit den Listenpreisen ohne Aktionsrabatte, netto, Stand November 2026.

  • Fall A: Kleinunternehmerin, 2 Rechnungen pro Monat, kein Bargeld, keine UVA
  • Fall B: EPU mit 80.000 Euro Umsatz, UVA vierteljährlich, kein Bargeld
  • Fall C: Friseurin mit Barumsätzen über der Kassengrenze, Einnahmen-Ausgaben-Rechnung
Fall
Lösung
Kosten im ersten Jahr (netto)
Fall A
Finanz.at Gratis oder kalkül
0 €
Fall A
bookamat
150 €
Fall B
Finanz.at Pro (UVA selbst in FinanzOnline eintragen)
99 €
Fall B
FreeFinance Business (UVA direkt)
144 €
Fall B
bookamat (UVA als Datei)
150 €
Fall B
sevdesk Buchhaltung, 12 Monate (UVA als Export)
274,80 €
Fall B
ProSaldo.net PLUS (UVA direkt, Bankanbindung)
372 €
Fall C
everbill Rechnung plus Kasse und Zertifikat, Gewinnermittlung beim Steuerberater
285,48 €
Fall C
FreeFinance Premium plus A-Trust-Signatur (5 Jahre)
539 €, danach 420 €
Fall C
RZA E/A plus Kassa, RKSV-Stick und Aktivierung (nur Windows)
695 €, danach 454 €

Zwei Dinge fallen auf. Im Fall B liegen zwischen FreeFinance Business und ProSaldo.net PLUS fast 230 Euro im Jahr, obwohl beide die UVA direkt übermitteln. ProSaldo.net bringt dafür die automatische Bankanbindung mit, die es bei FreeFinance erst ab Plus gibt. Und mit Registrierkasse wird es sprunghaft teurer, weil Kassenmodul und Signatur dazukommen. Wer knapp unter der Kassengrenze liegt, sollte die Barumsätze im Blick behalten, bevor er ein Kassenpaket bucht.

Die Software ersetzt dabei keinen Steuerberater, sie senkt nur dessen Aufwand. Was eine Kanzlei für Buchhaltung und Jahresabschluss verlangt, steht im Beitrag zu den Steuerberater-Kosten für Kleinunternehmer.

Welche Software für welches Profil?

  • Kleinunternehmer mit wenigen Rechnungen, ohne Bargeld: Finanz.at in der Gratis-Version oder kalkül
  • Pauschalierer: ein Gratis-Programm für Rechnungen und Einnahmen, die Ausgaben werden ohnehin pauschal angesetzt
  • EPU mit UVA-Pflicht, ohne Bargeld, mit Steuerberater: bookamat (günstig, BMD-Export) oder FreeFinance Business (UVA direkt)
  • Handwerk, Handel, Gastronomie mit Barumsätzen: FreeFinance Premium (Kasse inklusive) oder everbill mit Kassenmodul, wenn der Steuerberater die Gewinnermittlung macht
  • Gründer im ersten Jahr: ProSaldo.net mit dem Gründer-Paket, Gutscheincode über den Steuerberater
  • GmbH: ProSaldo.net PRO, FreeFinance mit doppelter Buchführung oder der Kanzlei-Zugang zu BMD oder RZL
  • Mit Mitarbeitern: RZA oder RZL mit Lohnverrechnung als Modul, sonst bleibt die Lohnverrechnung beim Steuerberater
  • Viele Kunden in Deutschland: sevdesk für die Rechnungen im deutschen E-Rechnungsformat, die UVA aber als Export

Cloud, App und Mac

Die meisten Lösungen für EPU laufen im Browser und damit auch auf dem Mac, ausdrücklich etwa Finanz.at, kalkül, bookamat, ProSaldo.net und everbill. RZA setzt Windows voraus, RZL gibt es als Cloud-Version und zum Installieren.

Belege fotografieren Sie bei FreeFinance, ProSaldo.net, everbill und sevdesk mit dem Smartphone, die Texterkennung liest die wichtigsten Angaben aus. Kontrollieren sollten Sie das Ergebnis trotzdem, vor allem bei ausländischen Belegen und gemischten Steuersätzen. Wie gut die Erkennung bei den eigenen Belegen klappt, zeigt die Testphase.

Praxis-Tipp: Bankanbindung vor dem Abschluss testen
Die automatische Bankanbindung läuft bei mehreren Anbietern über einen Dienstleister wie finAPI. Ob Ihre Bank dabei ist, zeigt sich am schnellsten in der Testphase: Konto verbinden, ein paar Wochen Umsätze abrufen lassen. Ohne Schnittstelle bleibt der CSV-Import, den alle Programme können. Ein passendes Geschäftskonto erleichtert das.

Software wechseln, ohne Daten zu verlieren

Ein Wechsel ist möglich, aber mit Aufwand verbunden. Der beste Zeitpunkt ist der Jahreswechsel: Dann übernehmen Sie nur Stammdaten und Eröffnungsstände, nicht ein halbes Jahr Buchungen.

  1. Beim alten Anbieter alles exportieren: Belege, Journal, Kunden, Lieferanten, Anlagenverzeichnis, Auswertungen als PDF
  2. Prüfen, wie lange der Zugang nach der Kündigung lesbar bleibt, und die Exporte selbst sieben Jahre aufbewahren
  3. Stand zum Stichtag dokumentieren, bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung etwa offene Forderungen und das Anlagenverzeichnis
  4. Neue Software einrichten, Stammdaten importieren, Bankkonto verbinden
  5. Steuerberater informieren, damit die Kanzlei das neue Exportformat kennt
  6. Den ersten Monat parallel kontrollieren, bevor das alte Abo ausläuft

Häufige Fragen

Welche Buchhaltungssoftware ist in Österreich kostenlos?

Dauerhaft gratis sind die Gratis-Version von Finanz.at (2 Rechnungen, 2 Angebote und 10 neue Kunden pro Monat) und die Grundversion von kalkül. sevdesk ist nur für das Schreiben von 3 Rechnungen pro Monat gratis. ProSaldo.net gibt Gründern das Paket PRO ein Jahr lang kostenlos.

Welche Buchhaltungssoftware ist die beste für EPU?

Ohne Bargeld und ohne UVA-Pflicht reicht eine Gratis-Lösung wie Finanz.at oder kalkül. Mit UVA-Pflicht sind bookamat (150 Euro im Jahr) und FreeFinance Business (12 Euro im Monat) die günstigsten vollständigen Pakete. Wer bar kassiert, landet bei FreeFinance Premium oder einer Lösung mit Kassenmodul.

Welche Software schickt die UVA direkt an FinanzOnline?

FreeFinance, ProSaldo.net ab dem Paket PLUS, RZL und RZA übermitteln die UVA elektronisch. bookamat und kalkül erzeugen eine XML-Datei, die Sie selbst in FinanzOnline hochladen. sevdesk bietet nur einen Export, everbill erstellt keine UVA.

Kann ich sevdesk oder Lexware Office in Österreich nutzen?

sevdesk ja, mit Einschränkungen: UVA nur als Export, keine Registrierkasse mit Signatur, kein BMD-Export. Lexware Office nein, der Hersteller nennt es ausschließlich für Deutschland geeignet.

Brauche ich als Kleinunternehmer überhaupt eine Buchhaltungssoftware?

Gesetzlich nicht, eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung darf auch händisch oder in einer Tabelle geführt werden. Sie muss aber vollständig und nachvollziehbar sein, spätere Änderungen müssen erkennbar bleiben, und alles ist sieben Jahre aufzubewahren. Ein Gratis-Programm erledigt das nebenbei.

Welche Buchhaltungssoftware ist für Privatpersonen geeignet?

Für private Finanzen braucht es keine Buchhaltungssoftware, ein Haushaltsbuch reicht. Wer privat eine Wohnung vermietet, ermittelt die Einkünfte als Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten. Dafür genügt eine Tabelle oder ein einfaches Programm für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung.

Quellen